"Is there anyone out there?"
Ein Ausstellungs- und Veranstaltungsprojekt zu Verabredungsformen mit dem unbekannten Anderen
Eröffnung: 7. März 2006, 19.00 Uhr
8. März - 25. März 2006
Di-Fr 14 - 18 Uhr, Sa 10 - 13 Uhr Vernetzung und Verbundensein stellen nicht nur
Haupteigenschaften der heutigen Medien dar, sie sind auch zu einer
Hauptdaseinsform geworden und als solche in den künstlerischen Blick wie
auch in die künstlerische Praxis gerückt. Der etwas naiv
anmutende Titel der Ausstellung zitiert einen gängigen Sprachgebrauch im
Internet, das als Plattform des weltweiten Austausches und der
mannigfaltigen Verbindungsformen gilt. Allein die Möglichkeit,
ortsunabhängig zu jeder Zeit und mit 'jedem' innerhalb einer
elektronischen Welt zu interagieren hat unser Kommunikations-, Konsum-
und Veröffentlichungsverhalten ebenso verändert wie auch die Entgrenzung
des Intimen und Öffentlichen den Veränderungsimperativ alltäglich
vorführt und eine höchst ambivalente Situation schafft: Auf dem
Schauplatz des 'Sich-Preis-Gebens' werden alle ins Bildliche gezwungen,
dessen Sichtbarkeit wiederum von den Zuschauern konditioniert wird.
Wer oder was immer uns in der datenvermittelten Kommunikation
begegnet, zunächst können wir uns in Sicherheit wähnen mittels gewählter
Pseudonyme und frei gestalteter 'semiotischer Doubles', aber
unausweichlich bleibt die Absicht, Wirkungen zu erzeugen. Im Netz
agieren ermöglicht ein dem Schauspiel ähnliches Entwerfen von Rollen und
Masken, die jedoch zumeist zentralen Alltagshandlungen im Sinne eines
'Als-ob' entspringen: In virtuellen Gemeinschaften können zwar
herkömmliche Ordnungen ignoriert werden und neue netzinterne Normen das
Handeln, die Kommunikation und den Tausch regeln, sie werden sich immer
in steter Verabredung mit dem sozialen Raum befinden auf Grund unseres
Begehrens, wahrgenommen zu werden.
Hildegard Fraueneder
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