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Klaus Taschler

AUSSTELLUNG

Klaus Taschler

i see!



„Wer nichts zu verbergen hat, braucht auch keine Angst vor Überwachung haben“ säuseln uns die Statthalter der Macht von Rechts bis New Labour ins Ohr und sperren allerorts ihre großen Lauscher auf. Bankomat- und Kreditkarten listen unsere Bedürfnisstruktur auf, durch Handys, LAN-Technologie und computergestützte Video-Verkehrsüberwachungen ist unsere geografische Position jederzeit mit GPS-Genauigkeit bestimmbar. Die Verknüpfung aller persönlichen Daten ist heilige Pflicht unter dem Banner des Kampfes gegen Terror und drogendealende Kinderschänder.

Klaus Taschler entwirft für seine Arbeit ein völlig neues Informationssystem. „i see!“ blendet uns als NutzerInnen alle Daten über unser Gegenüber in Kontaktlinsen ein. In einer düsteren Zukunftsvision, in der jeder Überwacher und Überwachter ist, ringt ein Protagonist um seine verloren gegangenen Daten. Auf der Suche nach seiner eigenen Identität versucht er verzweifelt die entstandene Lücke zu rekonstruieren, Eine Auswahl unterschiedlichster Personen wurden anhand von Interviews aufgefordert, sich zu Nutzen und Nachteilen des „i see“ Systems zu äußern. Ein Grossteil der Befragten wollte von den Segnungen dieses neuen Tools nichts wissen. Die Skepsis überwog. Als sleeker Jungunternehmer gab sich Taschler nicht so schnell geschlagen. Er analysierte die angesprochenen Vorurteile und bereitete eine Aufklärungsoffensive vor.

Als Lösung aller Übel diverser krimineller Energien wird in unseren technik- und fortschrittsgläubigen Industriestaaten zunehmende Überwachung und Datenverknüpfung suggeriert. Demgegenüber wird von wohlmeinenden Liberalen postuliert, dass ein zunehmend indoktriniertes Sicherheitsbedürfnis breiter Teile des Kleinbürgertums durch Stärkung der persönlichen Bindungen in einer kommunitaristischen Bürgergesellschaft besser zu beschwichtigen sei, als durch staatlich-zentrale Kontrollinstanzen. In der allseitigen Stärkung persönlicher Beziehungen liege die Lösung.

Klaus Taschler greift diesen Ansatz im Stile ausgepuffter Werbestrategen auf. Mit seiner doppelbödigen Propagandakampagne nimmt er allen TechnikskeptikerInnen den Wind aus den Segeln. Taschlers „i see!“ - Produktionspalette bewirbt mit ironischen Videoclips die bestechenden Vorteile persönlicher Informationsbereitstellung als Flirt-Prothese und unverzichtbaren Stimulator für zeitgeistiger Heardbreaker. Die „i see“ Produkte parasite, recall, tracer, hide-it und matcher sichern jederzeit Informationsvorsprung und garantieren dadurch Erfolg bei Kontaktaufnahme und beim Aufbau von zwischenmenschlichen Beziehungen. Nur Ewiggestrige und Spießer können sich hier noch gegen den Fortschritt stemmen.

Text: Rainer Zendron


Klaus Taschler
1973 geboren in Salzburg. 1994 - 2002 Studium an der Universität für Gestaltung Linz unter Prof. Dr. H. Lachmayer. 1998 Halbjähriger Studienaufenthalt in Rotterdam/Niederlande. 2003 Artist in Residence für drei Monate in Teipeh/Taiwan. 2004 Rechercheaufenthalt in Sapporo/Japan

2006 "Opera Austria" Centro per l'Arte Contemporanea Luigi Pecci, Prato/Italien

2005 "Der Ohrenzeuge" zu 100. Geburtstag von Elias Canetti, Nickelsdorf.
"Kurzfilmfestival Kaiserstrasse" Wien

2004 "Folge 02" Ausstellung bei ...to be continued, Wien
"verdächtig" Theater Spielraum, Wien

2003 "Folge 01" Ausstellung bei ...to be continued, Wien
"How big is the world? II" MomA Kaochiung/Taiwan
"gemeinsam einsam" Kulturverein Schloss Goldegg
"mak nite" wonders of the modern world. MAK, Wien
"tellerrandtexte" Radio - Liveperformance, Aromat Wien
"art club" „Graz 2003“

2002
"How big is the world?" O.K Centrum für Gegenwartskunst, Linz
"onScreen Galerie" VideArs Electronica Center, Linz

2001 "star_dust 01" Herbert von Karajan Centrum, Wien
"the best of 01" Universität für Gestaltung Linz
"Extra für Jeden" Symposion Lindabrunn/NÖ
"a - s.u.p." Stadtpark, Graz.
"klub musik“ WUK, Vienna
"NORMAL“ Projektraum Tigerpark, Wien
"audio-video-quicksand“ Ars Electronica Festival, Linz

2000
"syncroMind" Galerie 5020, Salzburg

ORT

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5020 Salzburg

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