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PLENUM
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SYMPOSION

Christiane Funken

Zur Neudefinition von Körper und Geschlecht im Internet


Freitag, 24. März 2006, 17:30 - 18:30

Es ist kein Zufall, dass die Auseinandersetzung mit dem Internet gerade auch die Inszenierung der Geschlechter hervorhebt. Nie zuvor wurde so heftig über die „Natürlichkeit“ unserer bipolaren Geschlechterordnung gestritten und nie zuvor war die Suche nach dem „Eigentlichen“ derart intensiv. Genau zum richtigen Zeitpunkt – so scheint es – kam ein Medium auf den Markt, mit dem sich die großen, sinnstiftenden Fragen spielerisch im Off lösen lassen. Mit dem Internet bietet sich die Möglichkeit, anonym und körperlos miteinander zu kommunizieren, so dass auch Ungewohntes und Unerlaubtes gefahrlos erprobt werden kann. Daher ließe sich hier auch die alte Ordnung der Geschlechter regelrecht auf den Kopf stellen, indem Frauen zu Männern, Männer zu Frauen werden. Und weit mehr: den Akteuren bietet sich nun die Gelegenheit, mit gänzlich neuen Formen der Geschlechterdarstellung zu experimentieren oder gar als Neutrum zu erscheinen. Die Begegnung der Geschlechter, die üblicherweise in sozial anerkannte Kontexte eingebettet ist, welche als Garant sozialer Ordnung gilt, kann inszenatorisch überhöht oder ersatzlos gestrichen werden. An die Stelle der Geschlechtskörper treten Gebilde, die sich mithilfe einer hoch entwickelten Technik hervorbringen lassen. ‚Natürlichkeit’ ist für die Cyberfans kein attraktiver Wert. Die leiblichen Indikatoren des Geschlechts können bis zur Bedeutungslosigkeit verblassen und Sexualität zu einer symbolischen Arena (v)erklärt werden, in der es möglich ist, anti-, inter-, trans- oder auch hypersexuelle Identitätsmuster zu erschaffen und zu spielen. Der ‚echte’ Mann und die ‚wirkliche’ Frau stehen nicht als Ausdruck für ‚ursprüngliche’ Sexualität, sondern für gelungene Performanz.

Was aber macht Geschlecht dann aus? Lässt sich der Körper durch die technisch erzeugten Welten tatsächlich überwinden, weil die Leiblichkeit digital hergestellter Körper rein künstlich ist und keiner realen Sinneserfahrung entspricht? Oder – so könnte man einwenden – affizieren die medialisierten Bilder reale Selbstwahrnehmungen, die in der radikalen Verfremdung oder gar Überzeichnung klassischer Rollenstereotype nur scheinbar das reale Substrat aushöhlen?

Prof. Dr. Christiane Funken lehrt am Institut für Soziologie im Fachbereich Geschlechterforschung und Medien-/Kommunikationssoziologie an der TU Berlin

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Christiane Funken: Zur Neudefinition von Körper und Geschlecht im Internet

Friday, 24. 03.
17.30 - 18.30